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Raum. Interdisziplinäre Aspekte zum Verständnis von Raum und Räumen

Sowohl im Alltag als auch in den Wissenschaften leben wir in Räumen und diese bestimmen unser Werden: seien es Räume, die wir täglich begehen, oder sei es der Raum ganz grundlegend, als physikalischer, psychologischer oder philosophischer Raum. Alles Geschehen und Werden ist somit in den Raum oder in Räume eingebettet.
Auch im christlichen Glauben sind wir in einen Raum gestellt: den des dreieinigen Gottes. Die Fragen, was all diese Räume sind und wie sie sich zueinander verhalten, sind grundlegend und kaum zu unterschätzen. Sie bestimmen unsere Wahrnehmung und unser Handeln. Schon Karl Heim als Pionier des Dialogs zwischen Theologie und den Naturwissenschaften hatte die Bestimmung der Räume zu seiner Grundaufgabe gemacht. Heute stellt sich die Frage neu und sucht nach neuen Antworten.

Markus Mühling ist Professor für Systematische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal. Ulrich Beuttler ist außerplanmäßiger Professor für Systematische Theologie in Erlangen und Pfarrer in Backnang. Martin Rothgangel ist Professor für Religionspädagogik in Wien.

Bibliographische Angaben

Ulrich Beuttler, Markus Mühling, Martin Rothgangel (Hrsg.); Berlin 2022, 172 Seiten, Peter Lang GmbH, ISBN: 978-3-631-88777 (Print), 978-3-631-88778-3 (E-PDF)) ,978-3-631-88779-0 (EPUB)

Inhalte und Video-Mitschnitte

Das Video zeigt den Vortrag von Prof. Dr. Ulrich Beuttler, apl. Professor für Systematische Theologie an der Universität Erlangen und Pfarrer in Backnang, zum Thema “Was hat Gott mit dem Raum zu tun? Raumbezogenheit Gottes und Gottbezogenheit des Raumes – Überlegungen im Anschluss an Karl Heims Raumlehre”. Der Vortrag wurde am 22. Oktober 2021 im Rahmen des „Interdisziplinären Forums für Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften“ an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal gehalten.

Zusammenfassung: Der Namensgeber der Karl-Heim-Gesellschaft hat zum Thema der Jahrestagung 2021 selbst einen innovativen und konstruktiven Beitrag geliefert. Im Gespräch mit den neueren Entwicklungen der Philosophie und Naturwissenschaft seiner Zeit versuchte er ein substantielles Denken zugunsten von einem relationalen Denken zu überwinden. An Stelle der Logik, dass Beziehungen nur sekundär aus den Dingen sich ergäben, trete jetzt, in den 1920er Jahren, ein Verhältnisdenken, das Beziehung, Dynamik, Wille, Geschehen als primär ansieht. In eigenem Entwurf einer theologischen Religionsphilosophie stellt Beuttler Überlegungen vor, Gott und Raum konstruktiv, nicht ausschließend aufeinander zu beziehen. Während die Theologie meist Gott und Raum in einen Gegensatz brachte, dass man Gott nur raumlos und den Raum nur gottfrei dachte, um jeder Verwechslung vorzubeugen, ist doch das spirituelle, religiöse christliche Denken von einer Gegenwart Gottes, also einem Anwesen im Raum überzeugt. Um solches erschließen zu können, hat Beuttler einen neuen Raumbegriff, den des gelebten Raumes entwickelt und vorgestellt.

Das Video zeigt den Vortrag von Prof. Dr. Gunter Schütz, Professor für Physik an der Universität Bonn und Wissenschaftler am Forschungszentrum Jülich, zum Thema “Physikalische Konzepte von Raum. Von der Weltenbühne bis zum Quantenschaum”. Der Vortrag wurde am 23. Oktober 2021 im Rahmen des „Interdisziplinären Forums für Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften“ an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal gehalten.

Zusammenfassung: Die Entwicklung des physikalischen Verständnisses von Raum und Zeit von Newton über Einstein bis hin zu gegenwärtigen theoretischen Konzepten wird knapp skizziert. Im Verständnis der klassischen Physik sind bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert Raum und Zeit absolute Größen und der euklidisch gedachte Raum bildet somit eine Bühne für alles physikalische Geschehen. Zur Vermeidung des horror vacui herrscht die Vorstellung vor, dass der Raum von einem immateriellen Äther erfüllt ist, der an sich nicht beobachtbar ist, aber Schwingungen und mechanische Wechselwirkungen vermittelt. Mit dem Aufkommen der speziellen und allgemeinen Relativitätstheorie durch Albert Einstein wird damit Schluß gemacht: Raum und Zeit bilden ein Kontinuum ohne jeden Äther. Seine geometrische Struktur ist nicht euklidisch und wird durch die anwesenden Massen bestimmt. Raum und Zeit sind also keine Bühne, die Materie wird selbst gleichsam zum Akteur, der Raum und Zeit krümmt und verzerrt.

Allerdings steht die allgemeine Relativitätstheorie im Konflikt mit der Quantentheorie, die ebenfalls zu Beginn des 20. Jh. entwickelt wurde und in der Raum und Zeit nicht völlig leer sein können. Bei Abwesenheit von Materie und Strahlung bleibt ein fluktuierendes Quantenvakuum, das physikalisch messbare Effekte zeitigt und eine kontinuierliche Raumzeitstruktur aufweist. Vorhandende Masse und Strahlung sind Anregungen dieses Vakuumzustandes, so etwa wie Wellen Anregungszustände einer ebenen Wasseroberfläche sind. Die prinzipielle Unvereinbarkeit von allgemeiner Relativitätstheorie und Quantentheorie ist bis heute das größte ungelöste Rätsel der Physik. Ein vielversprechender, aber empirisch noch nicht gesicherter Ansatz zur Lösung dieses Problems ist gegenwärtig die Theorie der Quantenschleifengravitation. Die gekrümmte Raumzeit ist nicht kontinuierlich, sondern gekörnt, und nicht nur vorhandene Materie und Strahlung, sondern auch die Raumzeit selbst sind Quantenanregungen eines nur mathematisch beschreibbaren Vakuumszustandes, der selbst raum- und zeitlos ist.

Das Video zeigt den Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Mack, Professor für Allgemeine Psychologie an der Universität der Bundeswehr München, zum Thema “Der Raum als Feld, Bezugssystem und Gestaltkreis aus Wahrnehmung und Handeln”. Der Vortrag wurde am 23. Oktober 2021 im Rahmen des „Interdisziplinären Forums für Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften“ an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal gehalten.

Zusammenfassung: Der Raum der Lebewesen („Raum der Biologie“) wird vom „Raum der Physik“ abgegrenzt unter Bezugnahme auf das Gestaltkreiskonzept von Viktor von Weizsäcker. Der Raum der Biologie verdankt sich der Gestaltung durch die Lebewesen, wobei der Wahrnehmungsraum (der Raum der sinnlichen Erfahrung) und der Bewegungsraum (der Aktionsraum) nicht zu trennen sind. Aktionen erzeugen neue Raumwahrnehmungen, Raumwahrnehmungen werden nach der Relevanz für Aktionen bewertet (Relevanzraum, Wahrnehmungs-Handlungsschleife). Der Raum des Menschen wird als akteurzentrierter Umraum, als Orientierungsraum präsentiert, in dem wir uns selbst als übergeordnetes Bezugssystem „ich – hier -jetzt“ stets verorten müssen, da wir uns selbst von Ort zu Ort bewegen und dabei Richtungen, Abstände, Postionen und Lagen berücksichtigen müssen.

Das Verhältnis von Raum und räumlichen Objekten wird interpretiert über zwei basale Raumkonzepte, der Raum, verstanden einmal als Behälter, einmal als Konfigurationsraum. Die räumlichen Referenzsysteme des Menschen bestehen aus egozentrischen und allozentrischen Referenzsystemen, deren Struktur erläutert wird. Im Falle der egozentrischen ist der menschliche Körper als Koordinatensystem konzeptualisiert mit der dominierenden Vertikalachse als Resultat des aufrechten Gehens und der damit verbundenen Anpassung an die terrestrischen Graviationsverhältnisse. Es werden die Systeme der Raumwertverarbeitung besprochen, das sensorische, das motorische und das kognitive. Das sensomotorische System wird unterteilt in exterozeptive und propriozeptive Teilsysteme der Raumwertverarbeitung, das kognitive System in Gedächtnis und Sprache. Menschen lernen über die Triangulation (Kleinkind, Erziehungsperson, Objekt) Objekte kennen und damit auch die Strukturierung, Konfiguration des Raumes über die räumlichen Verhältnisse zwischen Objekten. Abschließend wird auf räumliches Wissen eingegangen, das aus Objektrepräsentationen und dem primären Orientierungsraum besteht. Dieser ist im wesentlichen ein von Objekten unabhängiges Koordinatensystem, in den Objekte eingeordnet werden. Die Gestalt der Objekte wird in Interaktion mit deren räumlichen Bestimmung (wo-Bestimmung, Ausmaß-Bestimmung, Achsen der Objekte) durch Koordinaten geformt. Der Konfigurationsraum ist damit vor allem Zwischenraum (lat. spatium), als räumliche Gebilde (formal als Objekte) existieren wir als Lebewesen in diesen strukturierten Zwischen-Räumen (räumliche Existenz der Menschen als inter-esse).

Das Video zeigt den Vortrag von Prof. Dr. Anton Friedrich Koch, Professor für Philosophie (im Ruhestand) an der Universität Heidelberg, zum Thema “Der Raum als allgemeines Bewusstseinsfeld”. Der Vortrag wurde am 23. Oktober 2021 im Rahmen des „Interdisziplinären Forums für Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften“ an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal gehalten.

Zusammenfassung: In dem Vortrag wird zunächst die These entwickelt, dass der Raum das allgemeine Feld des Bewusstseins aller wahrnehmenden Wesen ist. Für denkende Subjekte gilt des Näheren, dass sie sich dieses gemeinsame Feld mittels egozentrischer, informeller Koordinatensysteme aus indexikalischen Denkinhalten und entsprechenden Ausdrücken („ich“, „du“, „hier“, „dort“, „oben/unten“, „vorn/hinten“, „rechts/links“ usw.) erschließen. Es folgt, dass denkende Subjekte notwendig räumliche Wesen sind. Ihr Geist ist ausgedehnt zum einen als Leib und zum anderen kraft der sinnlichen Anschauung und Imagination sogar noch über den Leib hinaus ins Weite des grenzenlosen Raumes. Der Raum musste im Gegenzug mit logisch-begrifflicher Notwendigkeit im Laufe seiner kosmischen Evolution früher oder später, hier oder da denkende Subjekte in sich hervorbringen. Diese so genannte Subjektivitätsthese wird unabhängig von der These des ausgedehnten Geistes begründet und dient zu ihrer Unterstützung. Mögliche theologisch prekäre Konsequenzen der Subjektivitätsthese werden angedeutet, aber nicht näher entfaltet.

Das Video zeigt den Vortrag von Prof. Dr. Michaela Geiger, Professorin für Altes Testament an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel, zum Thema “Imagination in Bewegung. Wallfahrten und andere Wege im Deuteronomium”. Der Vortrag wurde am 23. Oktober 2021 im Rahmen des „Interdisziplinären Forums für Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften“ an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal gehalten.

Das Video zeigt den Vortrag von Prof. Dr. Markus Mühling, Professor für Systematische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel, zum Thema “Die Bildung des Raumes durch Wege. Von einer phänomenologischen zu einer theologischen Betrachtung”. Der Vortrag wurde am 23. Oktober 2021 im Rahmen des „Interdisziplinären Forums für Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften“ an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal gehalten.

Zusammenfassung: Ausgehend von einer phänomenalen Beschreibung des Raumes als Gewebe von Weglinienperspektiven zeigt Mühling, wie daraus einerseits technische Raumverständnisse (der geometrische, physikalische, soziale, politische, muskikalische, etc. Raum) durch Abstraktion gewonnen werden können, wie andererseits die transzendentale Frage nach der Bedingung der Möglichkeit und der Wirklichkeit des Raumes gestellt werden kann. Diese letzte Frage kann nur unter der partikularen Universalität konkreter Weglinienperspektiven gestellt werden. Christlicherseits wird sie beantwortet unter Verweis auf die Verschränkung der Geschichten der Glauenden mit der trinitarisch strukturierten Geschichte des Evangeliums, so dass sich der phänomenale Raum als im Raum des Evangeliums aufgehoben erfährt.

Dass die trinitarisch strukturierte Geschichte des Evangeliums eine Selbstidentifikation Gottes beinhaltet, erweist sich die als Bedingung der Möglichkeit aller weltlichen Räume (des phänomenalen und des technischen Raumes) das Werden Gottes selbst als trinitarisches Liebesabenteuer, das die Realität des „Raumes“ im eigentlichen Sinne darstellt. Menschliches Werden vollzieht sich mittelbar in diesem Raum und unmittelbar im Raum des Evangeliums, konkret zwischen Karsamstag und Advent.

Das Video zeigt den Vortrag von Prof. Dr. Konstanze Kemnitze,: Professorin für Praktische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel, zum Thema “Die erschreckenden Grenzen des Raumes. Überlegungen zu einer Praktischen Theologie im Anthropozän”. Der Vortrag wurde am 24. Oktober 2021 im Rahmen des „Interdisziplinären Forums für Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften“ an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal gehalten.

Zusammenfassung: Ausgehend von den Diskursen um die menschheitsgefährdenden Entwicklungen im Anthropozän und der interdisziplinären Einsicht, dass alle Wissenschaften gebraucht werden, um die notwendigen Transformationen voranzubringen, erläutert Kemnitzer die bisherigen Beiträge der Theologie zum Anthropozän-Diskurs und entwickelt darauf aufbauend grundlegende Überlegungen für eine Praktische Theologie im Anthropozän: Diese hat die Fortschrittsfiktionen der christlichen Kulturpraxis der Moderne zu kritisieren und den imaginativen Raum des Evangeliums neu und lebensdienlich zu erschließen.

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