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„Über die Barmer Theologische Erklärung kann noch viel geforscht werden“

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Veröffentlicht am 29. Februar 2024

Am 31.Mai 2024 jährt sich die Veröffentlichung der Barmer Theologischen Erklärung (BTE) zum 90. Mal. Aus diesem Anlass laden der Kirchenkreis Wuppertal und die Kirchliche Hochschule Wuppertal Forschende und Kirchenmitglieder zu einer zweitätigen Fachtagung mit dem Titel „Was Erinnern macht – Macht der Erinnerung“ aus. Aber was gibt es über die BTE eigentlich noch zu erforschen?

Theologiegeschichtlich ist die BTE von 1934 gut erschlossen. Grundlegende Forschungen zur Textgeschichte liegen vor, ebenso wie Untersuchungen, wer an welchen Thesen beteiligt war. Die Rollen, die die „großen Köpfe“ spielten, etwa Karl Barth auf reformierter Seite und Hans Asmussen auf lutherischer Seite, sind heute bekannt. „Historisch interessant ist jedoch, dass über die Hauptpersonen hinaus wenig Forschung zu den andren Synodalen vorliegt“, sagt Prof. Dr. Nicole Kuropka, Inhaberin des Lehrstuhls für Kirchengeschichte an der Kirchlichen Hochschule (KiHo) Wuppertal. Welche Synodalen waren zum Beispiel eher nationalistisch oder nationalsozialistisch einzuschätzen? Welche Relevanz hatte die BTE im weiteren Alltag und für den weiteren Berufsweg? Strahlte die BTE im Wirkungskreis dieser Persönlichkeiten aus? Haben sich über landeskirchliche und konfessionelle Grenzen hinaus Vernetzungen entwickelt? „Über die unterschiedlichen sozialen, politischen oder religiösen Hintergründe aber könnte aus biographiegeschichtlicher oder sozialgeschichtlicher Perspektive noch viel geforscht werden“, betont Kuropka.

Renommierte Wissenschaftler*innen haben ihre Teilnahme an der Fachtagung zugesagt

Einen wichtigen Schritt stellt in dieser Hinsicht die Fachtagung „Was Erinnern macht – Macht der Erinnerung – 90 Jahre Barmer Theologische Erklärung (BTE)“ dar, die der Ev. Kirchenkreis Wuppertal und die KiHo Wuppertal gemeinsam anlässlich des 90. Jahrestages vom 31. Mai bis 1. Juni 2024 veranstalten. Renommierte Wissenschaftler*innen wie Prof. em. Dr. Siegfried Hermle, Prof. em. Katharina von Kellenbach, Prof. Dr. Jürgen Kampmann und Prof. Axel Noack haben ihre Teilnahme zugesagt. Die Fachtagung richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Kirchenmitglieder, die sich ein kritisches Bild über die Hintergründe und die Bedeutung der BTE machen wollen. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Am Abend des 31. Mai 2024 laden Kirchenkreis und KiHo zu einem Festgottesdienst in der Gemarker Kirche in Wuppertal-Barmen ein – und damit an den Ort, an dem einst 129 Synodale zusammenkamen, um die BTE zu verabschieden. Die Predigt hält Dr. Beate Hofman, Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. (Detaillierte Informationen zu Programm und Anmeldung zu beiden Veranstaltungen finden sich unter https://kiho-wuppertal.de/barmen24/.)

Die Forschung hilft, den zeitgeschichtlichen Kontext klarer und gewissenhaft zu erhellen

Kirchenkreis und KiHo Wuppertal arbeiten in Fragen rund um die BTE seit vielen Jahren eng zusammen. Bereits 2014 wurde die Ausstellung „Gelebte Reformation. Die Barmer Theologische Erklärung“ in der Gemarker Kirche in Wuppertal-Barmen eröffnet – dem Ort, an dem einst 129 Synodale zusammenkamen, um die BTE zu veröffentlichen. 2021 vereinbarten beide Seiten zudem eine Kooperation, um das Gedenken an die BTE lebendig zu halten. Eine Chronik dieser Kooperation findet sich unter https://shorturl.at/mnpN9.

Superintendentin Ilka Federschmidt begrüßt die enge Zusammenarbeit mit der KiHo, weil die gemeindliche Praxis davon sehr profitiere. „Die Forschung hilft, den zeitgeschichtlichen Kontext klarer und gewissenhaft zu erhellen“, sagt sie. „Damit unterstützt sie das Bemühen, die Frage nach dem heutigen Kontext zu schärfen, keine vorschnellen Übertragungen vorzunehmen oder die BTE in einer oberflächlichen Aufnahme vor den eigenen Karren zu spannen.“ Auch der Rezeption komme die Forschung zugute, da sie helfe, die Bekennende Kirche nicht zu verklären, sondern aus ihren Grenzen und ihrem Versagen zu lernen und zugleich das hoch zu schätzen, was Menschen damals vermochten, an Wahrheit zu sagen. „Durch all das trägt die Forschung dazu bei, dem Leben von Kirche und Gemeinde Orientierung zu geben“, sagt Federschmidt. „Und genau das will die BTE ja auch.“

BTE-Forschung soll sich international öffnen

Für die Zukunft wünschen sich Superintendentin und Professorin, dass sich die Forschung international öffnet. „Ich hoffe, dass neue Forschungen so belebend wirken, dass der 100. Jahrestag sogar mit einer weltweiten Perspektive der BTE gefeiert werden kann und wir erfahren, wie stark sie in andere Kontinente ausstrahlt. Das“, so Kuropka, „vergessen wir hier in Deutschland bisweilen.“ (Das gesamte Interview ein ausführliches Interview mit Superintendentin Ilka Federschmidt und Prof. Dr. Nicole Kuropka zu Fachtagung und Festgottesdienst finden sich in der Rubrik „Pressematerialien“ unter  https://kiho-wuppertal.de/barmen24/.)